Köhler Bad Kohlgrub

Die Köhlerfreunde - Bad Kohlgrub


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Adams Retortenofen

Köhlerei

Holzverschwelung heute – neue Verfahren


Neue Verfahren zur Holzkohleherstellung – Chris Adam – Einfachretortenmeiler


Traditionelle Holzkohleherstellung hat die Eigenheit, dass mit viel Personalaufwand die über Tage dauernde Verkohlung im Erdhügelmeiler betreut werden muss. Darüber hinaus ist die damit verbundene ständige Rauchentwicklung derweilen störend. Ein Faktor ist die oft ungewisse Ausbeute über die Menge der gebrannten Holzkohle.
Einen ganz anderen Weg geht die neuartige Versuchsanlage, die jetzt zusammen mit Herrn Hutter, Mitglied des Köhlervereins, in Bad Kohlgrub / OBB gebaut wurde. Es handelt sich um einen „Low-Cost- Retortenmeiler“. Die Bezeichnung „low-cost“ weist darauf hin, dass die Anlage in Selbstbauweise erstellt werden kann und nicht einer industriellen high-tec Fabrikation entstammt.
Die Bezeichnung „Retortenmeiler“ bezieht sich darauf, dass in der zweiten Phase des Arbeitsvorganges die Holzkammer verschlossen wird und nur über eine Düse der Rauch (Holzgas) an einer bestimmten Stelle entweichen kann und dort nun umweltfreundlich verbrannt (abgefackelt) werden kann.
Die Anlage wurde von Herrn Chris Adam aus Garmisch im ehemaligen Deutsch-Ostafrika in Burundi entwickelt. Herr Adam war dort als Experte für den Bau einer Biokohle-Anlage aus Kaffeeschalen tätig.
Ein großes Plus der Anlage ist, dass sie so ausgelegt ist, dass eine einzige Person an einem Tag Holzkohle herstellen kann. Der Landwirt Herr Hutter kann nun, wann immer er einen freien Tag zur Verfügung hat, einen Brennvorgang für die Holzkohleherstellung einschieben. Es ist nicht mehr nötig, ein Team von 3 oder 4 Leuten zu organisieren, die über eine Woche lang einen traditionellen Erdmeiler betreuen. Vorteilhaft ist die hohe verbesserte Umweltfreundlichkeit des Retortenmeilers. Laut einer Ausgabe des englischen Retortenherstellers Four Season, werden bei solchen Retortenanlagen bis zu 75 % weniger umweltschädliche Rauchgase an die Atmosphäre abgegeben !
Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Effektivität der Anlage. Man kann von einem Wirkungsgrad von 35% - 40% ausgehen. Dies bezieht sich auf das Verhältnis der gewonnenen Holzkohle/Holztrockengewicht. Bei traditioneller Holzkohlegewinnung beträgt der Wirkungsgrad um 15% bis 25%.
Also kann von einer Verdopplung des Wirkungsgrades gesprochen werden. Oder mit anderen Worten gesagt, um die gleiche Menge Holzkohle herzustellen, wird bis zur Hälfte weniger Holz gebraucht und dazu kommt noch mal die beträchtliche Reduzierung des Schadstoffausstoßes.
Dies öffnet auch Tore für die strengen Bedingungen des Europäischen Umweltschutzes.

Die Holzkammer hat ein Volumen von etwa 3 Kubikmeter und kann etwa 750 Kg Trockenholz
oder bis zu 1 Tonne Feuchtholz aufnehmen. Nach der Brennung wird bis zu 225 Kg, aber auch mehr, Holzkohle gewonnen.
Ein ausgeklügeltes, aber einfaches System, der Wärmeisolierung schützt vor Wärmeverlusten, und feuchtes Holz wird mit Holzabfällen automatisch vorgetrocknet. Ein Gebrauchsmusterschutz wurde für die Anlage beantragt. Die Anlage wurde nun auch in Kenia und in der Türkei gebaut. Weitere Retorten sind in Mexiko, Indien und Malaysia geplant. Besonders in Ländern mit niedrigen Arbeitslöhnen, also auch Länder wie die Ukraine, Bulgarien ect. dürften sich für die Anwendung interessieren. Im Augenblick erfolgt die Verbreitung so, dass ein Handwerkerteam, das sogenannte Retorten-Team, vor Ort zum Bau angelernt wird. Die Anlage kann dort von zwei geschulten Personen in einer Woche gebaut werden und kostet dann etwa 300 Euro. Jedoch nimmt der ganze Lehrgang etwa einen Monat in Anspruch. Der Retortenmeiler eignet sich auch zur Gewinnung von „Holzessig“, sowie zur Verkohlung anderweitiger Biomasse oder von gepressten Briketts aus Holzspänen. Es wird derzeit an einer Version mit vorgefertigten Teilen gearbeitet, so dass auch in unseren Breiten eine kostengünstige Anwendung möglich sein sollte.



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